Balkan-Motorradtour Day 7 / 2022

Von Motorrädern und Hunden



07:00 Der Wecker geht los. Also aufstehen und erst mal Frühstück. Dieses ist wiederum ganz passabel und wir gehen den heutigen Tag gelassen an. Denn wir sind nicht in Eile, da wir im Zeitplan gut drin sind. Nach dem Frühstück wie immer packen und dann kanns auch schon losgehen. Wir gehen nochmals Mostar anschauen.... mit dem Motorrad. Denkste, das war bloss so eine Idee, aber am Ende gewann dann doch der Gasgriff. Und das sollte sich dann doch lohnen. Aber dazu später noch mehr.

Wir fahren zum Derwischkloster nach Blagaj, welches südlich von Mostar liegt. Es liegt traumhaft gelegen direkt an der Bunaquelle und ist umgeben von Karsteinklippen. Die Bunaquelle gehört mit ihren 43'000 litern pro Sekunde zu den stärksten Quellen Europas. Das Wasser, das zwischen etlichen Restaurants und Kaffees durchströmt ist kristallklar. Und das meine ich wörtlich. Wir knipsen unser Programm durch und schwupps sind wir wieder auf den Motorrädern. Kultur ist ja gut, aber mehr als eine Stunde ?

So ein Motorrad ist doch so etwas wie ein Hund. Es wartet und wartet angeleint und irgendwann wirst du nervös und gehst zurück. Denn es könnte ihm ja langweilig sein. Und da Motorrad Fahrer ja alle tierlieb sind, könnt ihr das sicher auch verstehen wenn wir so ein Motorrad nicht einfach stundenlang warten lassen, nur weil wir Kulturverrückte sind :-) 




Es geht weiter zur Festung Pocitelji in Richtung südwesten. Wir sind auf der Hauptstrasse und stellen fest, dass die Festung ja riesig ist und gefühlte 1km steil nach oben geht. Wir können unmöglich da hochlaufen. Erstens können die Motorräder nicht so lange warten und zweitens ist das ja viel zu anstrengend. Wir fahren einfach um die Burg herum und greifen die Festung von oben durch den Hintereingang an. Das funktioniert nach einem Fehlangriff in der Pampa mit Stachelbeeren ganz gut und wenn Samba und Marc mit verkratzten Armen nach Hause kommen war das nichts unsittliches sondern nur ein paar Dornen, mehr nicht. Wo war ich ? Ah ja, wir schleichen also jetzt im Gegenuhrzeigersinn um die Burg und sind erfolgreich. Es tut sich ein Panorama auf und schon wieder schwelge ich im superlativ. Na die Aussicht ist der Knaller. Man kann sich kaum sattsehen. Wir knipsen wieder drauf los. Man könnte hier locker einen ganzen Tag verbringen. Aber was würden dann unsere Hunde sagen. Die brauchen irgendwann Benzin zum trinken.


Westlich der Festung liegen eine halbe Stunde fahrzeit, wenn ich mich denn bloss mal nicht auf google maps verlassen hätte, die Kravica Wasserfälle. Wir kommen an und fühlen uns zwischen den Touristen pudelwohl, obschon mein Motorrad doch eher kein Pudel, sondern ein Dobermann ist. Nach kurzem gemotze dass dies dann doch schon die 3. Kulturstädte des Tages ist, bleiben Samba und Morini bei Ihnen Rehpinschern. Marc und bezahlen die 10 Euro pro Person und befinden uns dann nach kurzem Fussmarsch irgendwie wie in der Südsee. Irgendwie surreal, aber schwindelerregend schön. Man könnte auch Baden hier. Und ein paar lebensmüde Einheimische tun das dann auch mit viel Geschrei. Also muss es gewiss kaaaaaaaaalt sein. Wir haben Hunger und essen Burger. Aber erst einmal fragt Marc nach, ob der Burger mit Brot kommt oder nicht. Ungläubig meint der junge Herr, dass das Burgerfleisch in ganz Bosnien zwischen 2 Brothälften ist. Nun ja, vermutlich hat er ganz Bosnien noch nicht gesehen, denn wir essen zum ersten mal hier ein Hamburger mit oben und unten Brot. Wir knipsen also wieder Bilder und gehen dann zurück, um die Tour mit noch mehr Natur und einer tollen offroad Passage im Nirgendwo zu beenden. Aber dazu später mehr.


Nach unserer kurzen Rundreise donnern wir die Serpentinen von Porim nordöstlich von Mostar hoch, die tolle Kurven hat. Wir drehen noch ein paar Videosequenzen und kommen dann nach und nach in eine Offroad Passage rein. Und das war beim Planen der Route so eine Sache. Nicht alle Strassen haben Street view Ansichten. Aber diese Passage von Rujiste nach Borci führte uns über den Berg Zeleni, der ungefähr auf 1300m liegt. Toll, die Offroad Route ist recht flowig und es gibt vermutlich nur eine einzige Stelle, die etwas tieferen Schotter hatte, und genau diese Stelle habe ich mir extra ausgesucht, um die Karre seitwärts zu parkieren. Man hätte es auch ohne Bremsen versuchen können, aber egal.





Parkieren 1.0 dank Kiesasphalt. Wer baut denn so ein Blödsinn

Parkieren 2.0 im Schotter


Es gibt da so einen Splatter Horror-Movie, der heisst wrong turn, und irgendwie hatten wir heute so einen wrong turn. Nur dass unser wrong turn auf der Karte so eingezeichnet war. Es geht hoch und hoch und wird kälter und kälter und irgendwann sagt noch die Sommerjacke zu mir: Hey Alter, es sind 8 Grad, lass mal in deinem Alter gut sein. Wir sind alle schon "hey Alter" und so ziehen wir uns wärmer an. Es ist schon saukalt. Wir kommen dann so ziemlich am ende der Strasse am Hotel Hajducke im Naturpark Blidinje auf 1250 m.ü.M. an. Ein Zimmer ist nicht gebucht, obs Essen gibt wissen wir auch nicht. Aber egal. Erst mal rein und siehe da, wir müssen nicht im dunkeln den ganzen Tag zurück. Wir beziehen unsere Zimmer und hatten so hunger, dass es schon fast eine Essorgie war.







Morgen gehts in Richtung Kroatien. Aber dazu morgen dann mehr.

Spicki


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